Elefant am Meer (Teil 4)
Der Mann fährt in den Urlaub. Er muss mal raus. Er sitzt zwar öfters am Fluß, doch er will mal wieder ans Meer. Den Geruch des Meeres riechen, den Wind spüren, sehen wie der Sand vom Wind getragen um seine Füße weht und an seinen Waden dieses scharfe Gras in den Dünen spüren. Diese Gedanke kommen ihm eines morgens. Es saß am Küchentisch und der Elefant war gerade wieder gegangen. Er hatte für eine Nanosekunde den Geruch von Salzwasser in der Nase. Es ist also wirklich drigend mal wieder ans Meer zu kommen, denkt er sich.
Die Planungen sind relativ einfach. Sie würden für aussenstehende relativ routiniert wirken. Der Mann fährt zwar relativ selten weg, dafür weiß er aber genau was er braucht und was nicht. Außerdem hat er nicht so viel. Er braucht ein bisschen Kleidung, Hygieneartikel, seinen Trangia, sein Laptop, Mikrophone, Kabel und seine Gitarre. Und vielleicht das kleine Keyboard. Das wars und wenn er etwas vergessen haben sollte, kann er es ja noch vor Ort besorgen. Jetzt steht noch zur Debatte wo hin er genau fährt. Er braucht ein Haus, das zu 3/4 in den Dünen liegt und zu 1/4 am Strand. Es muss rot sein und aus Holz. Der Rest ist eher unwichtig. Der Mann möchte keine Ausflüge machen wenn er am Meer ist, er möchte ans Meer fahren um den ganzen Tag aufs Wasser zu gucken, Haferkekse zu essen und Tee zu trinken. Abends gibts dann ein Gläschen Wein und einen leckeren Fisch. Der Mann mag das einfache Leben. Kompliiert ist es schon manchmal in der Stadt, dann braucht er Ruhe im Urlaub.
Im Internet wird er fündig. Das perfekte Haus. Rot, klein, aus Holz und ziemlich genau 3/4 in den Dünen und 1/4 auf dem Strand. Was aber noch viel besser ist: es gibt faktisch keine Nachbarn. Das Haus steht ziemlich allein. Es gefällt ihm sehr gut und er mietet es direkt schon für den nächsten Tag.
Dort angekommen breitet sich eine so allumfassende Ruhe aus, das der Mann sich gar nicht traut irgendwas zu sagen. Er steht vor der Haustür, will sie aufschließen und stellt fest das sie gar nicht abgeschlossen ist. Er macht eine kleine Erkundungstour durch das Häuschen. Es gibt ein Schlafzimmer, die Wohnküche und das Badezimmer. Das wars. Zufrieden stellt der Mann seine Taschen ab und kocht sich einen Tee. Das Wetter ist nicht allzu gut. Es ist nicht richtig hell, aber auch nicht dunkel, es riecht nach Meer und sieht nach Regen aus. In der Wohnküche gibt es noch eine Tür auf die Terrasse, die eingentlich der Strand ist, da sind zwar ein paar Bretter, sodass man 3 Stühle draufstellen kann, aber es ist eh nur ein Stuhl da. Dann setzt der Mann sich an den Esstisch, trinkt seinen Tee und guckt durch das Fenster über der Spüle auf das Meer und denkt sich dabei: “Ein kluger Mann muss das Haus gebaut haben. Man kann beim Essen und beim Spülen auf das Meer schauen.”