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3. Juni 2009

Elefant am Meer (Teil 5)

Geschrieben von Edward Philips in Geschichten

Am nächsten morgen wacht der Mann ein paar Stunden später auf als normalerweise. Er späht vorsichtig aus dem fenster und kann keine Wolke entdecken. Trotzdem ist es nicht allzu warm. Durch das offene Fenster weht eine kühle Brise. Sie riecht angenehm nach Salzwasser und sorgt dafür das der Mann schlagartig wach ist. Er stapft in die Küche und setzt Wasser auf, setzt sich auf den Stuhl auf dem er gestern auch schon saß und guckt durch das Fenster aufs Meer. Der Wasserkessel pfeift. Er lässt ihn pfeifen. Er hat irgendwie keine Lust auf einen Tee. Der Mann dreht das Gas aus und zieht sich Schuhe an, denn er muss einkaufen gehen, noch sind Regal und Kühlschrank leer und bis auf Tee und eine Stulle von der Reise wirklich nichts da.
Er läuft durch den Laden und kommt nicht so echt zum einkaufen. Immer wieder bleibt er vor den Regalen stehen und fängt an nachzudenken. Das skurile ist, dass er sobald er wieder aus seiner Gedankereise zurück ist und an die einzukaufenden Sachen denkt, nicht mehr weiß woran er gedacht. Dann bleibt er wieder stehen und fängt an nachzudenken, versucht die Gedanken von eben zu wiederholen und nachzuvollziehen, doch es gelingt ihm nicht. Nach eineinhalb Stunden, eine ziemlich lange Zeit wenn man nur Brot, Käse und Milch kaufen will, geht er zur Kasse. Auf dem Gehweg bleibt er stehen und denkt drüber nach wieso er so zerstreut ist.
Wieder zu Hause frühstückt der Mann. Auch dabei denkt er wieder an alles Mögliche. Er kann seine Gedankengänge aber nicht lenken, noch produktiv nachdenken. Er sitzt einfach nur da, holt sich von Zeit zu Zeit etwas zu trinken und zu essen, sitzt mal auf der Terrasse, mal in der Küche, mal im Sand direkt am Meer. Er sitzt einfach nur da und lässt die Gedanken schweifen. Er kann gar nicht anders. Konzentrieren kann er sich nicht.
Als er abends auf der Terrasse sitzt und ein Gläschen Wein trinkt denkt er sich: “Ich hab so viel nachgedacht heute, aber ich kann mich an nichts erinnern. Ich saß nur da und hab mir glauscht, den ganzen Tag. Ich hab zwar gelauscht, aber nicht zugehört …“.

30. Mai 2009

Elefant am Meer (Teil 4)

Geschrieben von Edward Philips in Geschichten

Der Mann fährt in den Urlaub. Er muss mal raus. Er sitzt zwar öfters am Fluß, doch er will mal wieder ans Meer. Den Geruch des Meeres riechen, den Wind spüren, sehen wie der Sand vom Wind getragen um seine Füße weht und an seinen Waden dieses scharfe Gras in den Dünen spüren. Diese Gedanke kommen ihm eines morgens. Es saß am Küchentisch und der Elefant war gerade wieder gegangen. Er hatte für eine Nanosekunde den Geruch von Salzwasser in der Nase. Es ist also wirklich drigend mal wieder ans Meer zu kommen, denkt er sich.
Die Planungen sind relativ einfach. Sie würden für aussenstehende relativ routiniert wirken. Der Mann fährt zwar relativ selten weg, dafür weiß er aber genau was er braucht und was nicht. Außerdem hat er nicht so viel. Er braucht ein bisschen Kleidung, Hygieneartikel, seinen Trangia, sein Laptop, Mikrophone, Kabel und seine Gitarre. Und vielleicht das kleine Keyboard. Das wars und wenn er etwas vergessen haben sollte, kann er es ja noch vor Ort besorgen. Jetzt steht noch zur Debatte wo hin er genau fährt. Er braucht ein Haus, das zu 3/4 in den Dünen liegt und zu 1/4 am Strand. Es muss rot sein und aus Holz. Der Rest ist eher unwichtig. Der Mann möchte keine Ausflüge machen wenn er am Meer ist, er möchte ans Meer fahren um den ganzen Tag aufs Wasser zu gucken, Haferkekse zu essen und Tee zu trinken. Abends gibts dann ein Gläschen Wein und einen leckeren Fisch. Der Mann mag das einfache Leben. Kompliiert ist es schon manchmal in der Stadt, dann braucht er Ruhe im Urlaub.
Im Internet wird er fündig. Das perfekte Haus. Rot, klein, aus Holz und ziemlich genau 3/4 in den Dünen und 1/4 auf dem Strand. Was aber noch viel besser ist: es gibt faktisch keine Nachbarn. Das Haus steht ziemlich allein. Es gefällt ihm sehr gut und er mietet es direkt schon für den nächsten Tag.
Dort angekommen breitet sich eine so allumfassende Ruhe aus, das der Mann sich gar nicht traut irgendwas zu sagen. Er steht vor der Haustür, will sie aufschließen und stellt fest das sie gar nicht abgeschlossen ist. Er macht eine kleine Erkundungstour durch das Häuschen. Es gibt ein Schlafzimmer, die Wohnküche und das Badezimmer. Das wars. Zufrieden stellt der Mann seine Taschen ab und kocht sich einen Tee. Das Wetter ist nicht allzu gut. Es ist nicht richtig hell, aber auch nicht dunkel, es riecht nach Meer und sieht nach Regen aus. In der Wohnküche gibt es noch eine Tür auf die Terrasse, die eingentlich der Strand ist, da sind zwar ein paar Bretter, sodass man 3 Stühle draufstellen kann, aber es ist eh nur ein Stuhl da. Dann setzt der Mann sich an den Esstisch, trinkt seinen Tee und guckt durch das Fenster über der Spüle auf das Meer und denkt sich dabei: “Ein kluger Mann muss das Haus gebaut haben. Man kann beim Essen und beim Spülen auf das Meer schauen.

29. Mai 2009

Elefant am Meer (Teil 3)

Geschrieben von Edward Philips in Geschichten

Der Mann hat im Moment eine kreative Phase. Er sitzt jeden Tag an seiner Gitarre und spielt. Er spielt das was ihm gerade in den Sinn kommt. Daraus entwickelt er dann Songs. Er selbst nennt sie nicht Songs. Er findet dafür fehlt ihnen zu viel. Sie haben keine Form, meist relativ wenig Steigung. Sie sind eher Fetzen von Geschichte oder Gefühlen, die man nicht in Worte fassen kann. Für den Mann ist es eine Art Tagebuch. Er spielt etwas, nimmt es auf und hört es sich nachher an, weil sich an bestimmt Situationen oder Gefühle erinnern möchte. Er spielt nur für sich. Wenn ihm jemand zuhören möchte hat er nichts dagegen, aber der Mann war noch nie auf der Suche nach Publikum. Das hat ihn nicht gereizt und reizt ihn auch jetzt nicht. Deswegen sitzt auch meist zu hause und spielt da Giatrre oder er geht ins Studio.
Wenn schönes Wetter ist setzt er sich auch manchmal an den Fluß, der durch die Stadt fließt. Dann kommen Leute zu ihm und hören ihm zu. Sie setzten sich neben ihn und lauschen einfach ein bisschen. Manchmal fragen sie ihn dann ob man das irgendwo wieder finden kann oder ob er Konzert gibt. Er muss beides verneinen. Das finden die meisten Leute schade. Manchmal macht der Mann ein Pause beim Gitarre spielen, um eine Zigarette zu rauchen oder ein Schluck Wein zu trinken. Wenn ihn dann einer fragt wieso der Mann keine Konzerte gibt oder die Musik verkauft, sagt er: Wer mir zuhören will kann das gerne hier tun, aber ich spiele nicht damit die Leute mir zu hören. Ich spiele, weil es mir Spaß macht. Wenn ich damit auch anderen eine Freunde machen kann freut mich das, aber es ist nicht das Hauptziel meines Spiels. Das Hauptziel ist, die Situation und das Gefühl dazu einzufangen, irgendwie festhalten. Da ich das nicht mit Worten oder Farbe tun kann, mache ich es mit Tönen.
Der Mann freut sich immer über den Elefant, weil der Elefant ein bisschen wie er ist. Er kommt zum Fenster und genießt es da zu stehen, ohne irgendwelche Ansprüche zu stellen. Er tut es auch nicht weil er andere damit erfreuen will, sondern es nur für sich tut. Das der Elefant dem Mann mit seiner Anwesenheit auch erfreut, ist nebensächlich.

28. Mai 2009

Elefant am Meer (Teil 2)

Geschrieben von Edward Philips in Geschichten

Der Elefant hat eigentlich nicht so viele Freunde, aber das macht ihm nichts. Er setzt sich abends meist in einen Park und trinkt ein Gläschen Wein und guckt sich den Sonnenuntergang an. Oft kommen dann Leute vorbei und fragen interessiert, was denn ein Elefant in einem Park mit einem Glas Wein macht. Der Elefant versteht die Leute, er könnte auch antworten, aber er denkt sich, dass er das nicht tun sollte, denn wenn jemand erfährt das er reden kann, würden ihn alle nerven, da ein sprechender Elefant doch einige Aufmerksamkeit erregen würde. Das will aber der Elefant nicht.
Die vorbeikommenden Spaziergänger setzten sich dann oft neben den Elefant und erzählen ihm viele Dinge. Dinge über die sie sich freuen und Dinge über die sich ärgern und Dinge die sie belasten. Der Elefant mag das. Er genießt es. Es hat keinen Kasettenrekorder, deswegen kann er keine Musik hören. Seine Musik ist das Gezwischter der Vögel gepaart mit den Erzählungen der Leute die vorbei kommen und sich neben ihn setzten. Oft schläft er dabei ein, wenn die Leute ihm was erzählen. Dann wacht er am nächsten Morgen auf und geht zu dem Fenster des Mannes, weil es da immer so toll nach Kaffee riecht. Der Elefant hat noch nie Kaffee getrunken, aber liebt diesen Duft.
Eines Abends, der Elefant saß wieder im Park, bekam er Lust durch die Gegend zu laufen. Durch die nächtlichen Starßen und sich die bunten Lichter anzugucken, die Leute zu beobachten wie sie durch die Gegend laufen um irgendwohin zu kommen. Der Elefant hat irgendwie auch Lust irgendwo hin zu laufen. Er weiß aber nicht wo hin. Er läuft einfach drauf los. Es gefällt ihm mal wieder unterwegs sein. Erst passt er auf, dass er sich nicht zu weit vom Park entfernt, irgendwann ist es ihm egal. Er läuft und läuft und läuft. Die Häuser um ihn herum werden kleiner, die Straßen leerer. Dann steht er auf einer Wiese und er guckt zum Horizont und sieht nichts als grüne Wiese und ganz hinten ein paar Bäume. Das erinnert ihn an früher. Er läuft durch die Wiese und riecht an den Blumen, tollt ein wenig herum, legt sich ins Gras und guckt den Wolken zu, guckt den kleinen Käfern zu, die in der Wiese leben. Er fühlt sich hier genauso zu hause wie in der Stadt. Doch hier ist es irgendwie anders. Dann schläft er irgendwann total zufrieden ein.

27. Mai 2009

Elefant am Meer (Teil 1)

Geschrieben von Edward Philips in Geschichten

Es macht Töörrrrööööö! Ein Elefant guckt gespannt durch Küchenfenster. Drinnen riecht es nach Kaffee und frisch-geduscht. Der Elefant findet das dies ein wunderbarer Duft ist. Deswegen kommt er jeden morgen zu diesem Fenster. Und der, der auf der anderen Seite des Fensters ist, freut sich jeden Morgen den Elefanten zu sehen. Er gibt ihm manchmal eine Erdnuss.
Der Elefant ist ein ganz normaler Stadtelefant. Er lebte aber nicht schon immer in der Stadt. Er kann sich dran erinnern, dass er als kleiner Elefantenjunge durch grüne Wiesen und Wälder gelaufen ist, mit seiner Mutter und seinem Vater. Aber irgendwann war es ihm zu langweilig geworden auf dem Land. Er hatte von Freunden gehört, dass es eine Große große Stadt gibt. Da soll eine Menge interessante Sachen passieren. Das muss er sich ansehen dachte er sich. Und so machte er sich damals auf den Weg in die Stadt. Seit damals wohnt er in der Stadt und es gefällt ihm richtig gut. Vor allem seitdem er dieses Fenster gefunden hat wo der Mann wohnt.
Dieser Mann ist eigentlich ein ganz normaler junger Mann, der Musik macht. Mehr hat er eigentlich nicht zu tun. Deswegen ist er oft zu hause und sitzt auf seiner Couch oder in der Küche und guckt aus dem Fenster. Wenn er eine gute Idee hat fährt er in sein Studio und nimmt diese Idee auf. Da spielt er es auf seinen Walkman und hört es sich an während er an dem großen Fluß, der durch die Stadt fließt, spazieren geht. Seit einiger Zeit kommt immer ein Elefant an sein Küchenfenster. Meistens morgens, wenn der Mann gerade aus der Dusche kommt und sich seinen Kaffee kocht. Dann freut der Mann sich immer, weil es ein sehr netter und ruhiger Elefant ist, der es anscheinend einfach nur genießt an diesem Fenster zu stehen und in die Küche zu gucken. Dem Mann dabei zu zugucken wie er seinen Kaffee trinkt. Der Mann hatte dann mal angefangen Erdnüsse für den Elefanten zu kaufen. Das hat den Elefanten gefreut. Er kommt jeden Tag verbei. Manchmal bringt er dem Mann eine Bulme mit, weil der Mann so freundlich ist und ih da stehen lässt und ihm eine Erdnuss gibt.