Elefant am Meer (Teil 5)
Am nächsten morgen wacht der Mann ein paar Stunden später auf als normalerweise. Er späht vorsichtig aus dem fenster und kann keine Wolke entdecken. Trotzdem ist es nicht allzu warm. Durch das offene Fenster weht eine kühle Brise. Sie riecht angenehm nach Salzwasser und sorgt dafür das der Mann schlagartig wach ist. Er stapft in die Küche und setzt Wasser auf, setzt sich auf den Stuhl auf dem er gestern auch schon saß und guckt durch das Fenster aufs Meer. Der Wasserkessel pfeift. Er lässt ihn pfeifen. Er hat irgendwie keine Lust auf einen Tee. Der Mann dreht das Gas aus und zieht sich Schuhe an, denn er muss einkaufen gehen, noch sind Regal und Kühlschrank leer und bis auf Tee und eine Stulle von der Reise wirklich nichts da.
Er läuft durch den Laden und kommt nicht so echt zum einkaufen. Immer wieder bleibt er vor den Regalen stehen und fängt an nachzudenken. Das skurile ist, dass er sobald er wieder aus seiner Gedankereise zurück ist und an die einzukaufenden Sachen denkt, nicht mehr weiß woran er gedacht. Dann bleibt er wieder stehen und fängt an nachzudenken, versucht die Gedanken von eben zu wiederholen und nachzuvollziehen, doch es gelingt ihm nicht. Nach eineinhalb Stunden, eine ziemlich lange Zeit wenn man nur Brot, Käse und Milch kaufen will, geht er zur Kasse. Auf dem Gehweg bleibt er stehen und denkt drüber nach wieso er so zerstreut ist.
Wieder zu Hause frühstückt der Mann. Auch dabei denkt er wieder an alles Mögliche. Er kann seine Gedankengänge aber nicht lenken, noch produktiv nachdenken. Er sitzt einfach nur da, holt sich von Zeit zu Zeit etwas zu trinken und zu essen, sitzt mal auf der Terrasse, mal in der Küche, mal im Sand direkt am Meer. Er sitzt einfach nur da und lässt die Gedanken schweifen. Er kann gar nicht anders. Konzentrieren kann er sich nicht.
Als er abends auf der Terrasse sitzt und ein Gläschen Wein trinkt denkt er sich: “Ich hab so viel nachgedacht heute, aber ich kann mich an nichts erinnern. Ich saß nur da und hab mir glauscht, den ganzen Tag. Ich hab zwar gelauscht, aber nicht zugehört …“.